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Make or Buy bei KI: Eigene Lösung oder Standard-Tool?

4 Min.Joachim Wolpert

Die Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in Geschäftsprozesse bietet kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) erhebliche Potenziale für Effizienzsteigerung und Wettbewerbsvorteile. Eine zentrale strategische Frage, die sich dabei stellt, ist die Wahl zwischen dem Einsatz von Standard-KI-Tools und der Entwicklung einer maßgeschneiderten KI-Lösung. Diese Entscheidung hat weitreichende Auswirkungen auf Kosten, Implementierungsdauer, Flexibilität und den Grad der Prozessintegration.

Standard-KI-Tools: Der schnelle und bewährte Weg

Standard-KI-Tools sind vorgefertigte Softwarelösungen, die für allgemeine Anwendungsfälle konzipiert wurden. Beispiele hierfür sind bestimmte Chatbot-Plattformen, Bilderkennungsdienste oder Tools zur automatisierten Textzusammenfassung.

Vorteile von Standard-Tools:

  • Schnelle Implementierung: Da die Software bereits entwickelt ist, können Standard-Tools oft innerhalb kurzer Zeit in Betrieb genommen werden.
  • Geringere Anfangsinvestition: Die Entwicklungskosten entfallen, und es fallen in der Regel Lizenzgebühren an, die planbarer sind.
  • Geringerer Wartungsaufwand: Wartung, Updates und Fehlerbehebungen liegen in der Verantwortung des Anbieters.
  • Bewährte Funktionalität: Viele Standard-Tools sind ausgereift und haben sich in verschiedenen Anwendungsbereichen bewährt.
  • Zugang zu breiter Expertise: Häufig gibt es eine große Nutzergemeinschaft und umfangreiche Dokumentationen, die den Einstieg erleichtern.

Nachteile von Standard-Tools:

  • Begrenzte Anpassbarkeit: Standard-Tools sind für einen breiten Markt konzipiert und bieten oft nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Anpassung an spezifische Unternehmensprozesse oder Datenstrukturen.
  • Potenzieller Vendor Lock-in: Ein Wechsel des Anbieters kann aufwendig sein, insbesondere wenn Datenformate oder Schnittstellen proprietär sind.
  • Datenschutz und Datensicherheit: Bei Cloud-basierten Standard-Tools ist es essenziell, die Datenschutzbestimmungen und den Serverstandort des Anbieters genau zu prüfen, um die Einhaltung der DSGVO sicherzustellen.
  • Kein Alleinstellungsmerkmal: Da die Tools auch von Wettbewerbern genutzt werden können, bieten sie in der Regel keinen spezifischen Wettbewerbsvorteil.

Standard-Tools eignen sich besonders für KMU, die schnell erste Erfahrungen mit KI sammeln möchten, für klar definierte, generische Aufgaben oder wenn das Budget für eine individuelle Entwicklung begrenzt ist.

Maßgeschneiderte KI-Lösungen: Präzision und Wettbewerbsvorteil

Eine maßgeschneiderte KI-Lösung wird speziell für die einzigartigen Anforderungen und Prozesse eines Unternehmens entwickelt. Dies kann die Entwicklung eines eigenen KI-Modells, die Integration verschiedener KI-Komponenten oder die Anpassung bestehender Open-Source-Lösungen umfassen.

Vorteile von maßgeschneiderten Lösungen:

  • Exakte Passform: Die Lösung ist perfekt auf die spezifischen Geschäftsprozesse, Daten und Ziele des Unternehmens zugeschnitten.
  • Wettbewerbsvorteil: Eine individuelle KI kann einzigartige Fähigkeiten bieten, die Wettbewerber nicht haben, und somit ein echtes Alleinstellungsmerkmal schaffen.
  • Volle Datenkontrolle: Bei der Entwicklung und dem Betrieb im eigenen Rechenzentrum oder bei einem EU-basierten Hosting-Anbieter kann die volle Kontrolle über sensible Unternehmensdaten gewährleistet werden.
  • Skalierbarkeit und Flexibilität: Die Lösung kann bei Bedarf erweitert und an zukünftige Anforderungen angepasst werden, ohne von den Roadmaps externer Anbieter abhängig zu sein.
  • Integration in bestehende Systeme: Maßgeschneiderte Lösungen lassen sich nahtlos in die vorhandene IT-Infrastruktur integrieren.

Nachteile von maßgeschneiderten Lösungen:

  • Höhere Anfangsinvestition: Entwicklung, Test und Implementierung erfordern in der Regel ein höheres Budget und mehr Zeit.
  • Längere Entwicklungszeit: Von der Konzeption bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft vergehen oft mehrere Monate.
  • Internes Know-how erforderlich: Für die Entwicklung und den Betrieb sind spezialisierte Kenntnisse im Bereich KI und Softwareentwicklung notwendig, die oft extern eingekauft werden müssen.
  • Wartung und Weiterentwicklung: Die Verantwortung für den langfristigen Betrieb, Updates und die Weiterentwicklung liegt beim Unternehmen oder einem beauftragten Partner.

Maßgeschneiderte Lösungen sind die richtige Wahl, wenn KI-Anwendungen strategisch wichtig sind, einzigartige Geschäftsprozesse optimiert werden sollen, hohe Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit bestehen oder ein signifikanter Wettbewerbsvorteil erzielt werden soll.

Die hybride Strategie: Das Beste aus zwei Welten kombinieren

Oftmals ist die optimale Lösung eine Kombination aus beiden Ansätzen. Eine hybride Strategie nutzt Standard-Tools für allgemeine, nicht-kritische Aufgaben und entwickelt maßgeschneiderte Komponenten für spezifische, strategisch wichtige Prozesse.

Ein Beispiel hierfür sind RAG-Systeme (Retrieval Augmented Generation). Hierbei wird ein Standard-Sprachmodell (Large Language Model, LLM) – also ein "Buy"-Element – mit unternehmensinternen, proprietären Datenquellen kombiniert. Durch diese Erweiterung kann das LLM präzise und kontextbezogen auf spezifische Unternehmensfragen antworten, ohne dass die sensiblen Daten direkt in das externe Modell integriert werden müssen. Die Entwicklung der RAG-Architektur und die Anbindung an die internen Daten stellen hier den "Make"-Anteil dar.

Diese Strategie ermöglicht es, die Vorteile schneller Implementierung und geringerer Kosten für Basisfunktionen zu nutzen, während gleichzeitig die nötige Präzision, Datensicherheit und der Wettbewerbsvorteil für Kernprozesse gewahrt bleiben.

Fazit

Die Entscheidung zwischen "Make or Buy" bei KI ist keine pauschale, sondern eine strategische. Sie hängt maßgeblich von Ihren individuellen Geschäftsanforderungen, den verfügbaren Ressourcen, der Komplexität der Aufgabenstellung und den Anforderungen an Datenschutz und Wettbewerbsdifferenzierung ab. Eine sorgfältige Analyse der Prozesse, eine klare Definition der Ziele und eine realistische Einschätzung der internen Kapazitäten sind unerlässlich. Unsere TÜV-SÜD-zertifizierten AI Automation Manager unterstützen Sie gerne bei dieser strategischen Entscheidung und der Entwicklung einer passenden KI-Roadmap in einem unverbindlichen Erstgespräch.